HDR

Ich habe mich in letzter Zeit ein wenig mit dem Thema HDR (High Dynamic Range) auseinandergesetzt. Oft liest man in Foren diesen Begriff und weiß gar nicht so richtig was damit gemeint ist. Man sieht etwas surreal anmutende Bilder, die einen gewissen Comiclook zu entspringen scheinen, aber doch reale Szenen zeigen. Also nur eine spezielle Bearbeitungsmethode?


Nein, ganz so einfach ist das nicht. Aber zunächst erstmal die Problemstellung:

Das menschliche Auge hat im Gegensatz zum Kamerasensor einen sehr hohen Dynamikbereich, den es wahrnehmen kann. Man kann es sich vielleicht anhand einer Szene aus dem Urlaub vorstellen. Sommer, Sonne, Meer. Der Himmel ist blau, die Sonne strahlt und vor einem liegt ein kleines Dörfchen. Die dunklen Ecken direkt unter den Häuserdächern sind für unsere Augen trotz der Helligkeit der Umgebung noch sehr gut zu erkennen. Richtet man nun die Kamera auf die Szenerie und löst aus, kommt es bei späterem Betrachten zur großen Ernüchterung.

  1. Der Himmel ist richtig belichtet aber die Häuser darunter zu dunkel.
  2. Die Häuser sind richtig belichtet und der Himmel ist weiß „ausgefressen“.

Das liegt am oben erwähnten (begrenzten) Dynamikbereich des Kamerasensors. Die Belichtungsmessung sucht sich die, ihrer Meinung nach, richtige Belichtungszeit für die anvisierte Stelle bzw. den Punkt und stellt anhand dessen die Parameter ein. Da der Konstrastumfang aber im Bild größer als der Dynamikbereich der Kamera ist, entstehen oben genannte Effekte.

Mit der HDR Fotografie kann man dieses Problem, welches z.B. auch bei Nachtaufnahmen mit Straßenbeleuchung entstehen kann, angehen. HDR steht für einen hohen dynamischen Umfang und ist somit in der Lage beschriebene Szenen korrekt aufzunehmen. Das Problem an der Sache ist nur, dass richtige HDR Kameras sehr teuer sind und dass die damit aufgenommenen Bilder nur auf spezieller Hardware sichtbar sind. Der normale PC Monitor im heimischen Büro kann diese Fotos nicht korrekt darstellen.

Hier hilft man sich mit einer Methode aus, die sich „tone mapping“ oder auf Deutsch „Dynamikkompression“ nennt. Das von einer HDR Kamera aufgenommene Bild wird sozusagen von der sehr feinen Helligkeitsabstufung des HDR Fotos in eine gröbere Abstufung umgerechnet. Dabei gehen Informationen verloren, die aber ja sowieso ein normaler Bildschirm nicht anzeigen könnte. Ähnlich funktioniert dies mit einer von einer normalen Kamera erstellten Belichtungsreihe. Hier werden die Fotos zunächst zu einem Hochkontrastfoto zusammengerechnet und anschließend per „tone mapping“ in ein normales Foto umgerechnet.

Einfach kann man sich das vielleicht in Zahlenschritten von 0 – 10 vorstellen. Die HDR Kamera kann ein Bild in Helligkeitsstufen von natürlichen Zahlen aufnehmen. Also 0, 1, 2, 3, 4, …, 10. Eine normale Kamera kann hier bspw. nur 2er Schritte gehen und nur bis 5 zählen. Also müssen die Werte der HDR Kamera von 0 – 10 auf Werte von 0 – 5 für den normalen Monitor umgerechnet werden. Genau dies geschieht beim „tone mapping“.


Das ist das grundlegende Prinzip der HDR Fotografie. Warum nun einige HDR Fotos aussehen wie Gemälde liegt einfach daran, dass einige Fotografen ihre Regler nicht im Griff haben. Nein, Spaß. ;-) Es ist natürlich jedem selbst überlassen seine Foto zu gestalten, frei nach Lust und Laune. Allerdings ist hinter dem grundlegenden Prinzip die Lösung des „Dynamikproblems“ zu sehen und genau darauf pochen nicht wenige Fotografen. Denn eigentlich soll eine Szene ja genau wie sie ist, dargestellt werden und nicht wie im Märchen. Ich persönlich habe es auch lieber näher an der Realität, aber das ist wie gesagt Geschmackssache.

Ich bin selber noch Anfänger in Sachen HDR und habe ebenfalls noch viel zu lernen. Die Fotos sind allesamt mit der HDR Funktion von Adobe Photoshop CS 5.1 enstanden.

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